Posts Tagged ‘theologische Fakultät’

ERSTE WIENER BETTELKONFERENZ (aus dem Augustin Nr. 278)

Juli 14, 2010

Wir alle kennen sie, die medialen Bilder von den bettelnden Ostbanden, die täglich durch unsere Zeitungen geistern. Über das reale Leben der Menschen, die mit Betteln versuchen ein paar Euros zu verdienen, wissen wir allerdings wenig. Und wo Information fehlt, können Misstrauen, Angst und Hass Fuß fassen, kann eine Menschengruppe zu Sündenböcken stilisiert werden, kann mit Fehlinformation hoher Sensationswert erzielt werden. Die BettelLobbyWien hat es zu ihrer Aufgabe gemacht, den Hetzkampagnen Informationen entgegenzustellen. Anfang Juni gab es nun auch eine wissenschaftliche Auseinandersetzung. Ferdinand Koller, Theologe und Bettellobbyist, organisierte gemeinsam mit der theologischen Fakultät Wien ein Symposion, wo das Thema Betteln aus der Sicht unterschiedlicher Disziplinen diskutiert wurde. Beleuchtet wurden dabei nicht nur die Geschichte des Bettelns, Erscheinungsformen des Antiziganismus, sondern auch die Wiener Bettelverbote. Zwei Tage intensiver Austausch, der für Vortragende und Publikum viel Neues und Aufklärendes brachte. Auf einige der Beiträge sei im Folgenden eingegangen, mehr Information gibt es auf der Webseite der BettelLobbyWien.

Die so genannten „Hintermänner“

BettlerInnen organisieren sich. Sie schließen sich in Gruppen mit Familienmitgliedern und NachbarInnen zusammen. Sie fahren gemeinsam nach Österreich, schlafen in Abbruchhäusern oder mieten sich Zimmer und halten beim Betteln Sichtkontakt um wahrzunehmen, (more…)

Betteln als Frauenarbeit?

Juli 3, 2010


Zur Situation von Pendelbettlerinnen in Wien

Beitrag von Marion Thuswald (Konferenz Betteln in Wien auf der theologischen Fakultät Wien)

„Es gehört zu den Leiden an der modernen Gesellschaft, dass sie die unantastbare Würde der Person rechtlich zusichert, die soziale Basis für eine respektable Lebenspraxis jedoch für große Gruppen in Frage stellt.“[1]

Im Wien des 21. Jahrhunderts nützen unterschiedliche Menschen den öffentlichen Raum um zu betteln, Junge und Alte; Männer, Frauen und Kinder; Menschen mit österreichischer StaatsbürgerInnenschaft und Menschen anderer Herkunftsländer. Die öffentlichen Debatten um das Betteln und die bettelnden Menschen sind von Stereotypisierungen geprägt, die auch geschlechtlich konnotiert sind. Im Folgenden wird zuerst auf die Bettel-Stereotypen eingegangen, anschließend die Ergebnisse einer Forschung zu Bettlerinnen in Wien vorgestellt.

Bettel-Stereotypen

„Die homogenisierende Darstellung der Anderen […] verschleiert individuelle Differenzen, macht sie unsichtbar. Die nicht explizit dargestellte Botschaft ist: Sie sind alle gleich. Sie sind viele.“[2], oder um es in den Worten von Stuart Hall zu formulieren: „Das Stereotypisieren ist eine Repräsentationsform, die gesellschaftlich produzierte Differenzen reduziert, essentialisiert, naturalisiert und festschreibt.“[3] (more…)


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