Posts Tagged ‘der Standard’

Bettlerstreifen, Bettlerrazzien und JournalistInnen: gemeinsam gegen BettlerInnen?

Mai 23, 2014

22C-6e-20140514111951Am 16.5.2014 präsentierte Oberst Tatzgern vom Bundeskriminalamt ausgewählten JournalistInnen einen „Kronzeugen“, der von seinen „Hinterleuten“ gepeinigt wurde und für sie täglich bis zu 1000 Euro erbettelte. Weder machte die anwesenden Journalist_innen diese absurde Summe stutzig, noch gelang es ihnen, den Tatbestand des „Menschenhandels“ von einem ganz anderen Tatbestand zu unterscheiden, der von Tatzgern in den Raum geworfen wurde. Tatzgern nannte 430 Personen, die wegen „organisierter Bettelei“ in Wien angezeigt wurden. „Organisiertes“ Betteln  ist jedoch kein Menschenhandel und kein Strafrechtstatbestand. Es handelt sich um ein Verwaltungsdelikt, bei dem Bettler_innen lediglich dafür bestraft werden, weil sie gemeinsam betteln, wie es viele machen, weil sie sich sicherer fühlen, wenn sie beim Betteln Sichtkontakt haben. „Organisiertes“ Betteln zu kriminalisieren, kommt der Kriminalisierung jeglichen Spendensammelns im öffentlichen Raum gleich.

Im „Standard“ wurden die 430 Personen, die wegen „organisierter Bettelei“ angezeigt wurden, aber zu dem „mutmaßlichen Menschenhändlerring“ einfach hinzuaddiert, ebenso in der „Presse“, die diese Vermengung dazu nutzte, um überhaupt zu vermelden, dass „jeder Zweite gewerbsmäßig oder unter Zwang“ bettelt. (more…)

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Die Würde einer Bettlerin (aus: der Standard)

Oktober 18, 2012

Weltweit gesehen ist Armut die Norm, Reichtum die Ausnahme. Das gilt auch für die relativ reichen Gesellschaften West- und Mitteleuropas, in denen die Ärmsten der Armen zunehmend ausgegrenzt werden. Demonstrativ zur Schau gestelltes Elend können Menschen in einer profitorientierten Leistungs- und Konsumgesellschaft scheinbar sehr schlecht ertragen, Staat wie brave Bürger reagieren gereizt: mit ordnungspolitischen und disziplinierenden Maßnahmen, „bestenfalls“ mit Desinteresse. (Weiterlesen im Standard)

„Augustin“-Nöte und Jargonprobleme

Juni 4, 2012

WOLFGANG GÖDERLE, BARBARA TIEFENBACHER, STEFAN BENEDIK

(aus: derstandard.at)Artikelbild

Foto: apa/Helmut Fohringer. Weder lästig noch aufdringlich: Typischer Nichtrumäne beim Straßenzeitungsverkauf in Wien. Migrationsforscher warnen vor vorschnellen ethnonationalen Zuordnungen

 Was die ökonomische Gefährdung einer Straßenzeitung mit ethnischem Ordnungsdenken zu tun hat. Zu Hans Rauschers Klage über „aggressive“ Verkaufspraktiken und „linkssektiererische“ Erklärungsmuster

Vor einigen Tagen hat die Wiener Straßenzeitung „Augustin“ bekanntgegeben, dass sie angesichts finanzieller Schwierigkeiten um den Fortbestand kämpft. Die Probleme seien, konnte man auf der Homepage der Zeitung lesen, unter anderem auf wachsenden „Antiziganismus“ zurückzuführen.

Das nahm ausgerechnet STANDARD-Kolumnist Hans Rauscher zum Anlass zu erklären, dass nicht feindselige Maßnahmen gegen Roma/Romnija, sondern vielmehr Zeitungen aus dem Müllcontainer fischende „Rumänen“ und deren „aggressive“ Verkaufsweisen an der „Augustin“-Krise und anderen Missständen schuld seien. Die „echten“ Verkäufer benähmen sich ja gut.

Weiterlesen in derstandard.at


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