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„Ich nur machen was Chef sagen“ …und die Bahnhofcity.

Februar 18, 2009

Europaweit entsteht ein neuer Bahnhofstyp: die Bahnhofcity mit Büros, Einkaufszentren und Entertainment – inklusive Gleisanschluss. Laut Webseite der ÖBB gibt´s am Westbahnhof demnächst eine Bahnhofcity mit  einem 17.000 m2 großen Einkaufszentrum, verhältnismäßig klein verglichen mit dem zukünftigen Hauptbahnhof, wo es Wohnungen für 15.000 Menschen, 20.000 Arbeitsplätze und eine riesige Shoppingmall geben wird.

Bahnhöfe boten traditionsgemäß auch eine temporäre Aufenthaltsmöglichkeit für Menschen, die nicht das nötige Kleingeld hatten um in Restaurants zu speisen oder in Hotels zu übernachten. Soziale Einrichtungen waren hier angesiedelt und bis vor einigen Jahren konnte man z.B. am Wiener Südbahnhof für einige Nachtstunden relativ ungestört schlafen. Doch das Klima ist rauer geworden, schon vor dem Umbau. Am 23.12.2006  begleiteten wir Andras und seinen Sohn Bandi zum Südbahnhof, die beiden wollten nach Bratislava fahren, doch der Abendzug war bereits weg. Andras hatte ein gültiges ÖBB Ticket und auf seine Frage, warum der Wartesaal abgesperrt ist, kontert der Securitymann: „Ich nur machen was Chef sagen – und – wauns da net passt, geh duat hin wost heakuman bist…“ So gehen die ÖBB mit ihren Kunden um. (Ein Interview mit Bandi und seiner Kusine gibt es hier).

 

… ohne dass es dort menschlicher geworden ist.

Dass sich die Bahnhöfe nach ihrem Umbau wieder menschlicher geben, bleibt zu bezweifeln. Der bereits neu gestaltete Nordbahnhof gibt einen Vorgeschmack: mittels Videoüberwachung, privaten Sicherheitsdiensten und der ungemütlichen Gestaltung des Bahnhofsinterieurs will das Management anscheinend verhindern, dass irgendjemand diesen Ort anders nützt als für Konsum- und Fortbewegungszwecke. Eine soziale Neugestaltung hat stattgefunden und die ÖBB will sich anscheinend ein  Image von sicher und sauber zulegen. Durch die Privatisierung des vormals öffentlichen Raums gilt hier eine andere Gesetzlichkeit: schon Sitzen oder Stehen ist ordnungswidrig.

Anlass genug, um am  Freitag dem Dreizehnten den Bahnhof Praterstern – zumindest für ein paar Stunden – zu erobern.

 

 

 

 

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