„Aktion solidarisch“ für BettlerInnen: 16 Kriseninterventionen

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bettlerInnenVor Weihnachten haben Behörde und Polizei eine begrüßenswerte „Aktion solidarisch“ für BettlerInnen auf Wiener Adventmärkten durchgeführt. Am Montag zog man Bilanz: Bei rund 50 Prozent der 115 armutsbetroffenen Personen gab es kurzfristige Unterstützungsmöglichkeiten, 16 brauchten eine Krisenintervention.
Zehn Tage habe die Adventaktion gedauert, sagte der Leiter des Büros für solidarische Sofortmaßnahmen, vor JournalistInnen. Krisenintervention war für jene Personen, die man in extrem prekären Situationen angetroffen habe, versicherte der leitende Sozialarbeiter. „Das geht von Aufenthalt bei Minustemperaturen ohne ausreichende Kleidung, über Nächtigen im Freien bis zum wiederholten Hungern aufgrund fehlender Finanzmittel“, erklärte er auf Nachfrage. H. ergänzte, dass man vor allem im Advent viele BürgerInnen-Informationen erhalten habe, dass BesucherInnen von Weihnachtsmärkten, Menschen in extremer Armut begegnen.
Angebot an Unterstützungsmaßnahmen muss erst evaluiert werden

Nach einer Kontaktaufnahme mit einem/r StreetworkerIn werden die Betroffenen üblicherweise mit einer zuständigen Beratungs- und Betreuungseinrichtung in Kontakt gebracht. Nach entsprechender Abklärung des Unterstützungsbedarfs werden schon nach einigen Stunden die notwendigen Maßnahmen eingeleitet. Das erbettelte Geld – Beträge „zwischen ein paar Cent und 70 bis 80 Euro“ – eine direkte Spende von aufmerksamen MitbürgerInnen, bleibt selbstverständlich den BettlerInnen. Wobei in besonders kritischen Fällen zusätzliche finanzielle Sofortunterstützungen möglich gemacht werden können. Die Höhe des ausgezahlten Geldes bzw. das gesamte Angebot an Unterstützungsmaßnahmen der betreffenden „Aktion solidarisch“ kann aktuell noch nicht beziffert werden und muss erst evaluiert werden.
Die zuständige Behörde betonte aber, dass rund der Hälfte der Personen, durch die rasche Unterstützung nachhaltig geholfen und das Empowerment gestärkt werden konnte: „Wir fragen jedoch, wie können wir die Menschen noch effizienter unterstützen, wo können wir ausreichend Wohnraum zur Verfügung stellen, in welcher Weise kann die Zusammenarbeit mit anderen Behörden verbessert werden, und ob die ärztliche Versorgung ausreichend ist.“ Grundsätzlich erhoffen sich Polizei und SozialarbeiterInnen dadurch Hinweise auf die Lebenssituation in der Heimat dieser Menschen- also die Länder der EU, die noch immer unter der wirtschaftlichen Ausbeutung durch die sogenannten „reichen“ Länder leiden.
Es komme etwa vor, dass sich aufgrund des erschwerten Zugangs zum Immobilienmarkt 25 Menschen 20 Quadratmetern teilen. Ob der Advent-Schwerpunkteinsatz schon zu konkreten Rechercheergebnissen geführt habe? „Das sind längere Prozesse, die auf Beziehungsarbeit und Vertrauen aufbauen. Dazu kann ich jetzt noch nichts sagen“, so der Chef des Büros für solidarische Sofortmaßnahmen. Auf den Weihnachtsmärkten waren die SozialarbeiterInnen nicht zuletzt zwecks Dolmetschen auch mit rumänisch sprechenden KollegInnen unterwegs gewesen. Rund 70 Prozent der angetroffenen BettlerInnen seien rumänische Staatsbürger gewesen, hieß es.
Weitere Schwerpunktmaßnahmen um Ostern geplant

Die „Aktion solidarisch“ zu Weihachten wird nicht die letzte gewesen sein. Die nächsten Schwerpunktmaßnahmen in Wien sind rund um die Osterfeiertage (Anfang April) geplant. Neben Ostermärkten will man die aufsuchende Sozialarbeit auf die gewohnten Hotspots – also etwa den Naschmarkt, die Mariahilfer Straße und die innerstädtischen Einkaufsstraßen – ausdehnen.
Den auch zu Ostern – ebenso wie zu Weihnachten, dem Fest der „Liebe“ – ist den Wiener  BürgerInnen Solidarität mit den Ärmsten der Armen ein besonders Anliegen.
Zustimmung von BettelLobby

Zustimmung zu dieser Aktion kommt von der BettelLobbyWien. „Es gab aus unserer Sicht einige besondere menschliche Begegnungen. So werden im Rahmen der Aktion betreute Bettlerinnen und Bettler jetzt von ihren NachbarInnen unterstützt und ihnen wurde spontan Geld von MitbürgerInnen zur Linderung der ärgsten Not gespendet, ohne Nachweis einfach zur freien Verfügung“, sagte Ferdinand Koller von der BettelLobbyWien gegenüber wien.ORF.at. Der Verein habe deswegen schon zwei Veranstaltungen für Institutionen und BürgerInnen, die in diesem Bereich gerne nachhaltige Unterstützung leisten wollen, abgehalten. Aufgrund der großen Nachfrage sind weitere geplant.

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