Archive for 4. Mai 2014

Österreichs Hauptstadt des Antiziganismus (von d ROMa Blog)

Mai 4, 2014

Brandanschlag auf Matratzenlager von Bettlern in Salzburg (Foto: orf.at)Nirgendwo sonst in Österreich kam es in den letz­ten Wo­­chen und Mo­na­­ten zu einer ähn­­lich alar­mie­­ren­­den Häufung von Gewalttaten gegen Bettler bzw. Roma wie in Salz­­burg. Ein Überblick. Von d`ROMa Blog.

Die Debatte um das Bettelverbot, das Mitte 2012 vom Höchst­gericht als verfas­sungs­widrig auf­ge­hoben wurde, und der ver­gan­gene Wahlkampf, in dem auch die Stadt-ÖVP auf Stimmungs­mache gegen die Ärms­ten setzte, haben Ressen­timents geschürt – Emo­tionen, die sich in Salz­burg nun immer wieder auch in Gewalt ent­laden. Obwohl eineaktuelle Studie gerade erst ergeben hat, dass in Salzburg von einer Bettlermafia gar keine Rede sein kann, heizt selbst der Stadtpolizei­kommandant die Stimmung mit der For­de­run­gen nach einem rechtswidrigen Bettelverbot weiter an. Dass es nicht gerade zu den Gepflo­gen­hei­ten eines Rechtsstaates gehört, dass ein Polizei­chef eine eige­ne politische Agenda verfolgt (noch dazu eine, die sich um den Verfas­sungs­ge­richts­hof nicht küm­mert), sei hier nur am Rande ange­merkt. Welch besorg­nis­er­re­gende Aus­maße diese Gewalt bereits an­ge­nom­men hat, zeigt am besten folgende Zusam­men­stel­lung der doku­men­tier­ten Vor­fälle:

  • Erst Anfang dieser Woche gab es in der Stadt den jüngsten Vorfall: Die von der Caritas für Bettler eingerichtete kleine Winter-Not­schlafstelle „Arche Süd“ wurde von Neonazis beschmiert; auch auf Facebook gab es NS-Drohungen (Zitat: „Also für mich gibt es eine lösung! dieses scheiss gsindel nach mauthausen und mal duschen lassen in einer der berühm­tes­ten duschen welt weit!“). (more…)
Werbeanzeigen

Repressiver Umgang mit Armut – neue Diplomarbeit von Franziska Schulteß

Mai 4, 2014

fsÖffentliche Diskussionen zu Betteln in Österreich zeichnen sich durch eine erstaunliche Distanz zum Gegenstand aus. Wissen über die Lebensumstände von Bettler*innen, im Sinne eines direkten Einblickes und Austausches, ist kaum verbreitet. Diese Diplomarbeit untersucht die Sitzungen des Wiener Landtages und Gemeinderates von 1993 bis 2013, in denen über Bettelverbote diskutiert wurde, und stellt sie in den Kontext eines neuen repressiven Umgangs mit Armut unter dem Schlagwort „öffentlicher Sicherheit“. Die parteipolitische Debatte zeichnete sich durch einen Mangel an Wissen aus: stereotype Bilder, wie der Mythos einer „Bettlermafia“, und überlieferte Vorurteile wurden als Faktenwissen verkauft. Die Betroffenen selbst kamen nicht zu Wort. Stattdessen wurden irrationale Ängste geschürt und allgemeine Unsicherheitsgefühle bedient, um Strafen, Vertreibung und die Diskriminierung von Armutsbetroffenen zu rechtfertigen.

DIPLOMARBEIT FRANZISKA SCHULTESS
(more…)


%d Bloggern gefällt das: