Archive for Mai 2013

„… aber alle wissen Bescheid“?

Mai 24, 2013

Kommentar von  dROMaBLOG:

„Die Art, wie Kollegen in Deutsch­land über ,die Roma‘ berichten, ist gefähr­lich und hat das Parkett des seriösen Journa­lis­mus verlas­sen. Die Roma. Damit fängt es schon an“, schrieb vor knapp drei Wochen Mely Kiyak in ihrer Kolumne „Es reicht!“ in der Frank­furter Rundschau – ein verärgerter, verzweifelter Stoß­seufzer über die ressen­timent­geladene Bericht­erstat­tung über Roma, bei der alle grundlegenden jour­nalis­ti­schen Quali­täts­standards außer Kraft gesetzt scheinen: „Ich kenne keinen deutschen ,Roma­bericht­erstatter‘, der sich ohne Über­setzer mit diesen Leuten unter­halten kann. Niemand spricht Rumä­nisch, Bulga­risch oder Romani, aber alle wissen Bescheid. (…) Warum funktio­niert dieser Jour­nalismus so, dass man sich von irgendwem irgendwas erzählen lässt? Wieso werden die Regeln für einen anstän­digen Journa­lismus bei ,den Roma‘ außer Acht gelassen?“

Fast täglich kann man sich am Zeitungskiosk davon über­zeugen, wie recht Mely Kiyak damit hat. Und das freilich nicht nur in Deutsch­land: Zu einer reißeri­schen Titel­story ausSüdtirol („Die Clans der Profibettler“), erschienen im Nach­richten­magazin „ff“ vom 16. Mai 2013, ersucht uns die Initiative Minder­heiten Tirol um die Veröf­fent­lichung Ihres offenene Briefes an die Redaktion:

Sehr geehrte Redaktion der ff,

beim Lesen Ihrer letzten Titelgeschichte „Die Clans der Profibettler“ könnte einem Angst und Bange werden: Die journalis­tische Recherche, die einen solchen Namen gar nicht verdient, wartet – statt mit Hinter­grund­infor­ma­tionen und fundierten Aussagen – mit bloßen Behaup­tungen und Mythen („Bettlermafia“ der „rumänischen Banden“ … bis zu 8.000 Euro am Tag … die Zuhälter …), Hetze und Krimi­nalisie­rung auf, wie sie selten in dieser Form in einem Medium veröf­fentlicht wer­den darf. Der stigmatisierende Blick auf Menschen, die in Armut leben, mit seiner beharrlichen Betonung von (more…)

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