Archive for 11. Januar 2013

Die Polizei «kann nicht sagen», ob schon «Bettelmafiabosse» bestraft wurden

Januar 11, 2013

 

augustinEin Wissensnotstand (aus dem Augustin Nr. 335)

Wie berichtet, hatte der ranghöchste Bettlerbekämpfer der österreichischen Polizei, der Leiter der Anti-Menschenhandels-Abteilung des Innenministeriums Gerald Tatzgern, in einem Zeitungsinterview die Almosenspender_innen zu verunsichern versucht. Wer einen Bettler, einer Bettlerin ein Geld gibt, unterstütze die Mafia. Denn: 90 Prozent der Einnahmen durch das Betteln fließen, so Tatzgern, in die Tresore der Mafiabosse.

Der Augustin (siehe Ausgabe Nr. 324) wunderte sich, warum Tatzgerns Behauptungen von den Journalist_innen meist ungeprüft übernommen werden. Dabei drängt sich eine distanzierte Hinterfragung geradezu auf. Die Zeitungsredakteur_innen könnten Tatzgern erstens fragen, wie er auf die 90 Prozent kommt, und zweitens, wie viele «Bettelmafiabosse» in Österreich schon verurteilt worden wären. Noch kein einziger, nach dem Wissensstand des Augustin. (more…)

Die sogenannte Bettelmafia…

Januar 11, 2013

Als Hauptargument für Bettelverbote wird seitens politischer EntscheidungsträgerInnen gerne das Bild der sogenannte „Bettelmafia“ kreiert. Auch der steirische Landeshauptmann Voves argumentierte mit Villen in Rumänien und ausbeutenden Hintermännern um ein Bettelverbot durchzusetzen, das gestern vom Verfassungsgerichtshof gekippt wurde.

Bei unserer Pressekonferenz am 13.12.2012 forderten wir die JournalistInnen auf, bei der Polizei nachzufragen, ob schon mal ein „Bettelmafiaboss“ verurteilt wurde. Barbara Sorge von der Wiener Zeitung hat nachgefragt und erhielt von der Bundespolizeidirektion folgende Aussage: „Wie viele Menschen bestraft wurden, die andere zum Betteln zwingen, könne man nicht sagen.“ Es gab aber „bis November dieses Jahres insgesamt 1338 Anzeigen wegen Bettelei, davon vier Anzeigen wegen Bettelei mit Kindern und 28 wegen organisierter Bettelei. Die meisten Anzeigen gab es wegen aufdringlichen (771) und wegen gewerbsmäßigen Bettelns (423)“ (Zitat Wiener Zeitung). Übrigens: für „organisierte Bettelei“ kann mensch bereits bestraft werden, wenn er/sie zu dritt betteln geht.


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