Wie ein Zeitungsverkäufer zu einem „aufdringlichen“ Bettler wurde…

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Aktion für einen Straßenzeitungsverkäufer

Als ihm der Straßenzeitungsverkäufer L., mit dem er seit Jahren eine Art Freundschaft-des-gegenseitig-netten-Zunickens pflegte, die Strafverfügung zeigte, welche ihm Beamte des Kommissariats Josefstadt eigenhändig zugestellt haben, verstand Herr K. die Polizei nicht mehr. Da stand doch tatsächlich, Herr L. hätte vorm Billa in der Alserstraße 23 in aufdringlicher Weise um Geld gebettelt, sich den vorbeikommenden Passanten mit ausgestreckter Hand in den Weg gestellt, ihnen die Zeitung vors Gesicht gehalten, den Fußgängerverkehr behindert und „durch ein besonders rücksichtsloses Verhalten die öffentliche Ordnung an einem öffentlichen Orte ungerechtfertigt gestört“. In Summe drei Rechtsbrüche zu je 100 Euro Geldstrafe oder je 50 Stunden Ersatzfreiheitsstrafe, also in Summe: 300 Euro oder 6 Tage Gefängnis.

K., der dem Zeitungsverkäufer schon gut tausend Mal begegnet ist, war verärgert. Nicht dass er für das Bestrafen des „aufdringlichen“ Bettelns ist, aber wer immer dieses Gesetz unbedingt exekutieren will, liegt bei L. garantiert falsch. Niemand in der ganzen Josefstadt ist zurückhaltender und höflicher als der Zeitungsverkäufer L.! Er spricht niemanden an, hält die Zeitung an die Brust gedrückt, steht am Rand des Gehsteigs, weit davon entfernt, jemanden den Weg zu versperren. Er hilft alten Damen beim Tragen der Einkäufe, dem Billa-Lieferanten beim Aufstellen und Wegräumen der Rampe, passt auf Hunde und Fahrräder von Billa-Kundinnen auf. Die Passantinnen und Passanten schätzen und lieben ihn.

Also verfasste K. einen  Protestbrief an das Kommissariat. Der Inhalt in Kurzfassung: Ich kenne Herrn L. schon lange, er hat mich nie aufdringlich angebettelt, nie den Fußgängerverkehr behindert, sich nie rücksichtlos verhalten, stellen Sie das Verfahren gegen ihn bitte ein. Damit postierte er sich vor den Billa in der Alserstraße 23. In kurzer Zeit unterschrieben 100 Menschen diesen Brief. Nun ist das Kommissariat  Josefstadt am Zug. (von: p.a.k, Printversion im Augustin 321)

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