Vision der BettelLobbyWien zum Umgang mit Armutsbetroffenen anläßlich der geplanten Räumung eines Zeltlagers in Terfens/Tirol

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In einem kleinen Ort in Tirol campieren Flüchtlinge aus Rumänien unter einer Autobahnbrücke. Die  Medienberichte sind abwertend, die PolitikerInnen laufen Sturm, die AnrainerInnen protestieren. Die BettelLobbyWien hat nun mit einer Vision gegen die geplante Räumung protestiert – einer Vision eines positiven Umgangs mit Armen. Einer Vision von Solidarität, Verständnis und der Umsetzung von Grundrechten.  Einer Vision vom gemeinsamen Auftreten gegen Diffamierung. Diese Vision (siehe unten) haben wir an verantwortliche Politiker geschickt. Bitte schließt euch an und protestiert für einen anderen Umgang mit Armutsbetroffenen! (Foto: ORF Tirol)

An: bh.schwaz@tirol.gv.atgemeinde@terfens.atbgm@terfens.at;  Kopie:  bettellobbywien@gmx.at


Rasche Hilfe für rumänische Flüchtlinge in Tirol – eine Vision

Spaziergängerinnen entdeckten vor einigen Tagen ein Zeltlager unter der Autobahnbrücke in Terfens. Warum man in Kälte, Gestank und Lärm campiert, wollten sie wissen und sprachen die dort zeltenden Menschen an. Diese erklärten ihnen, dass sie aus Rumänien stammen und dass Arbeitslosigkeit und Hunger sie seit Monaten verzweifelt durch Europa treibt: Sie fahren von Ort zu Ort und zelten unter Autobahnbrücken oder bei Mülldeponien. Und in Österreich müssten sie zumindest nicht hungern. Denn mittels Betteln könnten hier immer ein paar Euro verdient werden. Außerdem gibt es Armenküchen und Kleidercontainer. „Die Kommunikation war nicht einfach“ erzählten die Spaziergängerinnen, doch mittels Hand und Fuß konnten sie uns das schließlich erklären.“  Die Spaziergängerinnen alarmierten sofort Pfarrer und Bürgermeister. Ein Raum im Pfarramt wurde eingeheizt und die unterkühlten Familien sogleich dort untergebracht. Hilfsbereite TerfenserInnen brachten Speisen, Kleidung und Decken. Das Zeltlager unter der Autobahnbrücke konnte abgebaut werden. Nun beraten die TerfenserInnen gemeinsam mit den rumänischen Familien, wie diesen längerfristig geholfen werden kann. „Solidarität mit den Ärmsten in der Gesellschaft ist uns wichtig, auch wenn sie nicht aus Österreich stammen.“ Darüber sind sich die TerfenserInnen einig.

Schärfste Kritik an verhetzender Berichterstattung

Ebenfalls einig sind sie sich in der Kritik an den Medienberichte der letzten Wochen. Von „unter der Autobahnbrücke hausenden Bettelbanden“, die bei „großem Krawall nächtliche Lagerfeuer“ machen „ihren Müll nicht ordnungsgemäß entsorgen“ und noch dazu „ohne sanitäre Einrichtungen leben würden“ war da die Rede. „Die BerichterstatterInnen haben völlig ausgeblendet, dass die bittere Armut die RumänInnen zum Zelten unter der Brücke zwingt und die Kälte zum Feuermachen!“ schimpft eine Tirolerin und klagt darüber, dass JournalistInnen noch immer nicht fähig sind, einfache kausale Zusammenhänge herzustellen. „Diese Art der Berichterstattung will  böses Blut gegen armutsbetroffenen AusländerInnen schüren und ist absolut abzulehnen“, ärgern sich auch GemeindepolitikerInnen. Glücklicherweise sind die TirolerInnen der Verhetzung nicht auf den Leim gegangen, denn „die Menschen können sich vorstellen, wie schlimm es ist, in Armut zu geraten“ so ein stolzer Bürgermeister. Die Welle der Tiroler Solidarität sieht er als Beweis dafür: Noch heute melden sich TirolerInnen im Terfenser Gemeindeamt, um ihre Hilfe anzubieten.

Niemals vergessen!

Brüskiert zeigt man sich auch über die Aussagen des stellvertretenden Schwazer Bezirkshauptmanns Wolfgang Löderle. Er bezeichnete die RumänInnen als „Leute, die sehr, sehr gut organisiert sind“ und unterstellte ihnen, dass sie „aus Rumänien hierher gebracht und nach einer Woche wieder ausgetauscht“ werden. Mit solchen und ähnlichen Aussagen versuchte das rechte Lager vor Jahren Armutsbetroffene als Angehörige der „organisierten Bettelmafia“ zu diffamieren. Löderle hätte längst den Räumungsbescheid zugestellt, doch leider gäbe es bei der Autobahnbrücke keinen Briefkasten. Sein Rücktritt wird erwartet.

Auch das Tiroler Volksradio U1 wird schärfstens kritisiert. Hier hieß es, dass „die Rumänen sich außer wildes Campieren aber noch nichts zu Schulden kommen haben lassen.“ „Hier will wohl auf ein Vorurteil angespielt werden, dass man über „Zigeuner“ hat. Solche Vorurteile sind unhaltbar und gefährlich. Sie bereiten den Boden für die Ausgrenzung von als „Zigeuner“ wahrgenommenen Menschen und haben oft genug zur Vertreibung, Verfolgung und Gewalt von als „Zigeuner“ wahrgenommenen Menschen geführt“ mahnt eine alte Tirolerin: „Niemals sollte vergessen werden, dass Aufhetzung gegen Minderheiten in der Zeit des Nationalsozialismus schließlich zur Ermordung von mindesten 500.000 Roma und Sinti und 6 Millionen Juden geführt hat! “

Dieser Artikel visioniert einen anderen Umgang mit armutsbetroffenen EuropäerInnen, die immer öfter keine andere Möglichkeit haben, als als BettlerInnen in die reicheren Länder Europas zu kommen.  Die zitierten Zeitungsberichte finden Sie hier: Medienberichte –  Terfens

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Eine Antwort to “Vision der BettelLobbyWien zum Umgang mit Armutsbetroffenen anläßlich der geplanten Räumung eines Zeltlagers in Terfens/Tirol”

  1. Verfolgung, Vertreibung und jede Menge Diffamierung im heiligen Land Tirol « BettelLobbyWien Says:

    […] BettelLobbyWien « Vision der BettelLobbyWien zum Umgang mit Armutsbetroffenen anläßlich der geplanten Räumung eines… […]

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