Archive for 11. Dezember 2009

„Die Polizei ist die Mafia“

Dezember 11, 2009

Attila (Name geändert) bettelt in Wien Floridsdorf. Eigentlich kommt er aus der Slowakei. Doch weil die Sozialhilfe nicht zum Überleben reicht und er keine Arbeit findet, versucht er mittels Betteln seine Familie durchzubringen.  „Wenn ich bei der Mafia wäre, müsste ich nicht hier sitzen“ so Attila, und:

„Die Polizei sind die Mafiosi, denn SIE nehmen uns das Geld ab“. 

Auf welcher Rechtsbasis nimmt die Wiener Polizei den BettlerInnen das Geld ab, das sie von aufmerksamen und hilfsbereiten Menschen, die gegen die Hetzkampagnen resistent sind, erhalten haben? Dass solches – wie selbstverständlich – passiert, bestätigte Polizeisprecher Goldgruber in der Kronenzeitung vom 21. Juli. Es gibt kein verfasstes Recht im Universum, das diese informelle Enteignung legitimieren könnte. Also wann, Herr Goldgruber, krieg ich meine hundert Euro zurück, die ich – im Wissen um die Lebensbedingungen in Osteuropa – im Laufe des Jahres an BettlerInnen ausgeteilt habe und die möglicherweise in Polizeitöpfe geflossen sind?

Werbeanzeigen

An eurer «Ordnung» ersticken wir

Dezember 11, 2009

Im Kampf gegen das Betteln beweisen Justiz und Exekutive Fantasie

Während der Sicherheitssprecher der Wiener ÖVP von der «Stürmung des Christkindlmarktes durch Bettlerbanden» halluziniert, verhängte ein Richter des Unabhängigen Verwaltungssenats eine 20-stündige Polizeihaft gegen den Bettler und Augustinverkäufer Markus H. Sein Delikt: Beim Sitzen an der Hauswand ragten die Beine minutenlang einen (!) Meter in den mehr als zehn Meter breiten Gehsteig der Mariahilfer Straße.

Wenn es um BettlerInnen geht, vergisst die Gesellschaft, dass sie das Erbe der Aufklärung trägt, und steigert sich in einen Irrationalismus hinein, der keine Grenzen zu kennen scheint.

Tatort 1, Platz vor dem Wiener Rathaus. Der konservative Politiker Wolfgang Ulm, der es zum Sicherheitssprecher der Wiener ÖVP gebracht hat, hat sich eine Aufgabe gestellt, mit der glaubt, in der Adventzeit punkten zu können. Den Christkindlmarkt, «eine wunderbare Sache, eine Wiener Institution», will er vor dem Gesindel retten. (more…)


%d Bloggern gefällt das: