Wo sind sie, die organisierten Banden?

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Kaum haben wir uns unter dem Namen „BettelLobbyWien“ in der Öffentlichkeit gezeigt, sind wir schon InformantInnen für die Presse….

So hat sich Andreas Kremla für seine Reportage „Organisiert? Betteln und Bettler in Wien“  an die BettelLobbyWien gewandt und mit Eli, Marion und mir gesprochen. Er wolle  unterschiedliche Aussagen, etwa die der Polizeipressestelle, der BettelLobbyWien und der Wiener Linien zum Thema „organisiertes Betteln“ gegenüberstellen, so Herr Kremla am Telefon auf meine Frage, wie er den Artikel anlegen  will. Ich hatte nämlich keine Lust, Infos zu liefern, wenn dann das Ergebnis nicht Information und Aufklärung, sondern  Anlass zu Spekulationen bieten will, wie beispielsweise eine „Am Schauplatz“ Sendung letzten Herbst.

Im Rahmen der Recherchearbeiten  für „Natasha“ sprach ich 2005 mit Hofrat Dr. Samuely von der Sicherheitsabteilung und erfuhr, dass die Wiener Polizei keinerlei Beweise für das Existieren der „Bettelmafia“ hat. Daran hat sich nichts geändert, man fand sie noch immer nicht, die Bettelmafia, denn auch Herr Kremla erfuhr diese Woche von der Pressesprecherin Strycek nichts Gegenteiliges: „Bisherigen Erkenntnissen zufolge sind Bettlerorganisationen Kleingruppen in verabredeten Verbindungen, Familienclans zum Beispiel. Hinweise auf angebliche große organisierte Strukturen stellten sich bislang als unüberprüfbar heraus oder waren falsch.“

Die  Wiener Linien-Sprecherin  Brigitte Gindel weiß es aber besser, „Man kann da nicht alles (!) in einen Topf werfen. Nicht jeder Mensch der bettelt, gehört zu einer organisierten Bande.“ meint sie. Ich glaube, wir müssen da mal bei den Wiener Linien  nachfragen und uns Beweise für die „organisierten Banden“ vorlegen lassen. Neben den Printmedien und den üblichen verdächtigen Herren und Damen aus der Politik sind die Wiener Linien wohl die, die mit ihrer Falschinformation in ihren Durchsagen am meisten zur Hetze gegen BettlerInnen beitragen. (siehe Protestaktion der BettelLobbyWien zu den Durchsagen der Wiener Linien).

 Hier  ein kleiner Ausschnitt aus einem Gespräch mit Bandi und Iveta aus der Südslowakei (das Gespräch führte Marina Gschmeidler). Iveta und Bandi sind KusInen, damals waren sie beide knapp 19 Jahre alt und hatten bereits einige Erfahrungen als BettlerInnen in Wien gesammelt. Sie gehören zur Familie, die ich im Jahr 2006 im Rahmen der Recherche für den Film „Natasha“ über einen längeren Zeitraum begleitete. Zuerst lernte ich Bandis Vater Andras kennen, und dann, nach und nach, die ganze Familie, deren Mitglieder abwechselnd nach Wien fahren um hier Arbeit zu suchen oder zu betteln. Ich habe Andras, seine Frau Beata und seine sechs Kinder in ihrem Dorf  in der Südslowakei besucht (siehe: Interview mit Beata). Nach der Wende wurden die Fabriken geschlossen und viele der hier lebenden Menschen arbeitslos. Die Arbeitsmarktsituation hat sich seit damals nicht verbessert und den Leuten bleibt die Möglichkeit,  ins Ausland zu fahren um Arbeit zu suchen, oder, wenn das nicht gelingt,  mittels Betteln ein bisschen Geld  nach Hause zu bringen. Das ganze Interview gibt´s demnächst auf youtube. Ulli

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Eine Antwort to “Wo sind sie, die organisierten Banden?”

  1. „Ich nur machen was Chef sagen“ …und die Bahnhofcity. « BettelLobbyWien Says:

    […] Bahnhöfe boten traditionsgemäß auch eine temporäre Aufenthaltsmöglichkeit für Menschen, die nicht das nötige Kleingeld hatten um in Restaurants zu speisen oder in Hotels zu übernachten. Soziale Einrichtungen waren hier angesiedelt und bis vor einigen Jahren konnte man z.B. am Wiener Südbahnhof für einige Nachtstunden relativ ungestört schlafen. Doch das Klima ist rauer geworden, schon vor dem Umbau. Am 23.12.2006  begleiteten wir Andras und seinen Sohn Bandi zum Südbahnhof, die beiden wollten nach Bratislava fahren, doch der Abendzug war bereits weg. Andras hatte ein gültiges ÖBB Ticket und auf seine Frage, warum der Wartesaal abgesperrt ist, kontert der Securitymann: „Ich nur machen was Chef sagen – und – wauns da net passt, geh duat hin wost heakuman bist…“ So gehen die ÖBB mit ihren Kunden um. (Ein Interview mit Bandi und seiner Kusine gibt es hier). […]

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