Archive for Februar 2009

BettelLobbyWien Protestmails an die Wiener Linien, Teil 2

Februar 26, 2009

An die Wiener Linien:

From: bettellobbywien@live.at

To: Kundendienst@wienerlinien.at

Sehr geehrte Damen und Herren!

 Die Bettellobby Wien nimmt zu Ihrer Antwort vom 12.01.2009 betreffend unsere Stellungnahme zur „Bettlerdurchsage“ wie folgt Stellung:

  1. Die von Ihnen vorgeschlagene Spende an anerkannte Hilfsorganisationen stellt für die Fahrgäste keine Handlungsalternative zu einer Spende an bettelnde Menschen dar, da es in Wien keine Organisation gibt, die bettelnde Menschen direkt unterstützt (Wenn Sie eine solche Organisation kennen, geben Sie uns bitte Bescheid!). Diesbezüglich verbreiten Sie mit Ihrer Durchsage eine Unwahrheit, die dazu führt, dass die Fahrgäste glauben, dass bettelnden Menschen ohnehin geholfen wird und ihre Spende deshalb nicht notwendig ist. Das Gegenteil ist der Fall: bettelnde Menschen sind auf die Gaben anderer angewiesen, um den Lebensunterhalt für sich und ihre Familien zu sichern.
  2. Dass sie bettelnde Menschen pauschal als „organisiert“ bezeichnen und damit in die Nähe des organisierten Verbrechens rücken („Bettelbanden“) ist äußerst problematisch, da die Existenz solcher Banden auf unsere Anfrage nicht einmal von der Polizei bestätigt werden konnte. Auch wenn es solche Banden geben sollte, der Großteil der bettelnden Menschen bettelt nicht „organisiert“. Dadurch, dass sie jedes Betteln als „organisiert“ bezeichnen, befördern Sie ein nicht bestätigtes Vorurteil und tragen so zur Diskreditierung bettelnder Menschen in der Öffentlichkeit bei. Auf welchen Informationen beruht Ihre Behauptung, dass bettelnde Menschen in den U-Bahnzügen „organisiert“ sind?
  3. Die Wiener Linien befördern jährlich 770 Millionen Fahrgäste. Durch Ihre ständig wiederholten Durchsagen erreichen sie mehr Menschen als sämtliche Zeitungen, wodurch Sie wesentlich zur Meinungsbildung Ihrer Fahrgäste beitragen. Dies bedeutet für die Wiener Linien eine große Verantwortung, vor allem auch deshalb, weil Ihre Durchsage eine Verhaltensänderung anstrebt, die auch außerhalb des U-Bahnbereichs wirksam wird. Im Minutentakt Unwahrheiten und Vorurteile zu verbreiten ist insbesondere aufgrund des großen Einflusses der Durchsagen auf die Fahrgäste und deren großer Anzahl nicht zu verantworten, auch wenn von einzelnen Fahrgästen Maßnahmen gefordert werden. In ihrem „Mission Statement“ betonen die Wiener Linien, sich ihrer sozialen Verantwortung bewusst zu sein: der Aufruf zu unsolidarischem Verhalten gegenüber armen Menschen, die Verbreitung von Unwahrheiten und die Beförderung von Vorurteilen zeigen, dass Sie Ihre soziale Verantwortung in diesem Fall ignorieren.
  4. Wir möchten Sie einladen, dieses Thema mit uns persönlich zu diskutieren. Gerne stellen wir Ihnen Informationen rund um das Thema Betteln in Wien zur Verfügung.

 Mit freundlichen Grüßen

 Die BettelLobbyWien

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JuristInnen zur ehrenamtlichen Mitarbeit gesucht

Februar 22, 2009

Wir sind bei unserer „Lobbyarbeit“ immer wieder mit rechtlichen Fragen konfrontiert, daher sucht die BettelLobbyWien JuristInnen oder Jus – StudentInnen zur ehrenamtlichen Mitarbeit.

Bitte meldet Euch unter: bettellobbywien@live.at

bettellobby2

Wir fordern die ersatzlose Streichung aller kommunalen Bettelverordnungen

Februar 18, 2009

Wir können nachvollziehen, dass den Verteidigern des bestehenden Gesellschaftsmodells die Sichtbarmachung der sozialen Kluft zwischen Arm und Reich unangenehm ist. Nichts macht die Unrechtsverhältnisse sichtbarer als die Präsenz der Bettlerinnen und Bettler auf den Straßen. Diese Verhältnisse sind kriminell, nicht die Bettler. Wenn Fälle bekannt werden, dass Menschen durch Geschäftemacher zum Betteln gezwungen werden, stehen einschlägige Paragraphen des Strafgesetzbuches, des bürgerlichen Rechts zur Verfügung. Das in Wien bestehende Verbot des organisierten Bettelns dient nicht dazu, skrupellose Geschäftemacher zu bestrafen, sondern liefert der Polizei den Vorwand, so zu handeln, als sei Betteln generell verboten. Schon Augenkontakte zweier Bettlerinnen über die Straße hinweg werden von der Polizei als Anzeichen eines „organisierten“ Vorgehens gedeutet.

Wir fordern die Öffnung von U-Bahnpassagen, Bahnhofswartesälen und Kirchen für Obdachlose

Die Entwicklungen im öffentlichen Raum sind Besorgnis erregend – wir wenden uns gegen die „soziale Säuberung“ und gegen „Schutzzonen“ aus denen Randgruppen weggewiesen werden und fordern die Öffnung von U-Bahnpassagen, Bahnhofswartesälen und Kirchen für Obdachlose im Winter. Augustin, Pressekonferenz der österreichischen Straßenzeitungen am 10.2.09 (more…)

„Ich nur machen was Chef sagen“ …und die Bahnhofcity.

Februar 18, 2009

Europaweit entsteht ein neuer Bahnhofstyp: die Bahnhofcity mit Büros, Einkaufszentren und Entertainment – inklusive Gleisanschluss. Laut Webseite der ÖBB gibt´s am Westbahnhof demnächst eine Bahnhofcity mit  einem 17.000 m2 großen Einkaufszentrum, verhältnismäßig klein verglichen mit dem zukünftigen Hauptbahnhof, wo es Wohnungen für 15.000 Menschen, 20.000 Arbeitsplätze und eine riesige Shoppingmall geben wird.

Bahnhöfe boten traditionsgemäß auch eine temporäre Aufenthaltsmöglichkeit für Menschen, die nicht das nötige Kleingeld hatten um in Restaurants zu speisen oder in Hotels zu übernachten. Soziale Einrichtungen waren hier angesiedelt und bis vor einigen Jahren konnte man z.B. am Wiener Südbahnhof für einige Nachtstunden relativ ungestört schlafen. Doch das Klima ist rauer geworden, schon vor dem Umbau. Am 23.12.2006  begleiteten wir Andras und seinen Sohn Bandi zum Südbahnhof, die beiden wollten nach Bratislava fahren, doch der Abendzug war bereits weg. Andras hatte ein gültiges ÖBB Ticket und auf seine Frage, warum der Wartesaal abgesperrt ist, kontert der Securitymann: „Ich nur machen was Chef sagen – und – wauns da net passt, geh duat hin wost heakuman bist…“ So gehen die ÖBB mit ihren Kunden um. (Ein Interview mit Bandi und seiner Kusine gibt es hier).

 

… ohne dass es dort menschlicher geworden ist.

Dass sich die Bahnhöfe nach ihrem Umbau wieder menschlicher geben, bleibt zu bezweifeln. Der bereits neu gestaltete Nordbahnhof gibt einen Vorgeschmack: mittels Videoüberwachung, privaten Sicherheitsdiensten und der ungemütlichen Gestaltung des Bahnhofsinterieurs will das Management anscheinend verhindern, dass irgendjemand diesen Ort anders nützt als für Konsum- und Fortbewegungszwecke. Eine soziale Neugestaltung hat stattgefunden und die ÖBB will sich anscheinend ein  Image von sicher und sauber zulegen. Durch die Privatisierung des vormals öffentlichen Raums gilt hier eine andere Gesetzlichkeit: schon Sitzen oder Stehen ist ordnungswidrig.

Anlass genug, um am  Freitag dem Dreizehnten den Bahnhof Praterstern – zumindest für ein paar Stunden – zu erobern.

 

 

 

 

Protestmails…

Februar 17, 2009

An die Wiener Linien / Kopie an Augustin:

Keine Organisation unterstützt BettlerInnen

Sehr geehrte Damen und Herren!

Zur Zeit werde ich beim U-Bahn-Fahren mit einer Durchsage belästigt, die mir nahelegt, an BettlerInnen in der U-Bahn kein Almosen zu geben. Im Text der Durchsage wird unterstellt, dass es sich um organisierte Bettelei handelt. „Organisiert“ impliziert eine kriminelle Vereinigung. Wenn ich die unsäglich armen und oft verkrüppelten Leute ansehe mit den deutlichen Spuren von Mangelernährung und in ihrer notdürftigen Kleidung tut mir ja die kriminelle Vereinigung leid, die so armselig arbeitet. (more…)

Jour Fixe der BettelLobbyWien

Februar 13, 2009

Die Treffen der BettelLobbyWien finden jeden dritten Donnerstag im Monat in 1050 Wien statt, abwechselnd um 9 Uhr am Vormittag und um 19:30 am Abend. 

Die BettelLobbyWien trifft sich also nächsten Donnerstag, dem 19. 2. 2009 um 19:30. Interessierte melden sich bitte unter bettellobbywien@live.at.

Wo sind sie, die organisierten Banden?

Februar 11, 2009

Kaum haben wir uns unter dem Namen „BettelLobbyWien“ in der Öffentlichkeit gezeigt, sind wir schon InformantInnen für die Presse….

So hat sich Andreas Kremla für seine Reportage „Organisiert? Betteln und Bettler in Wien“  an die BettelLobbyWien gewandt und mit Eli, Marion und mir gesprochen. Er wolle  unterschiedliche Aussagen, etwa die der Polizeipressestelle, der BettelLobbyWien und der Wiener Linien zum Thema „organisiertes Betteln“ gegenüberstellen, so Herr Kremla am Telefon auf meine Frage, wie er den Artikel anlegen  will. Ich hatte nämlich keine Lust, Infos zu liefern, wenn dann das Ergebnis nicht Information und Aufklärung, sondern  Anlass zu Spekulationen bieten will, wie beispielsweise eine „Am Schauplatz“ Sendung letzten Herbst.

Im Rahmen der Recherchearbeiten  für „Natasha“ sprach ich 2005 mit Hofrat Dr. Samuely von der Sicherheitsabteilung und erfuhr, dass die Wiener Polizei keinerlei Beweise für das Existieren der „Bettelmafia“ hat. Daran hat sich nichts geändert, man fand sie noch immer nicht, die Bettelmafia, denn auch Herr Kremla erfuhr diese Woche von der Pressesprecherin Strycek nichts Gegenteiliges: „Bisherigen Erkenntnissen zufolge sind Bettlerorganisationen Kleingruppen in verabredeten Verbindungen, Familienclans zum Beispiel. Hinweise auf angebliche große organisierte Strukturen stellten sich bislang als unüberprüfbar heraus oder waren falsch.“

Die  Wiener Linien-Sprecherin  Brigitte Gindel weiß es aber besser, „Man kann da nicht alles (!) in einen Topf werfen. Nicht jeder Mensch der bettelt, gehört zu einer organisierten Bande.“ meint sie. Ich glaube, wir müssen da mal bei den Wiener Linien  nachfragen und uns Beweise für die „organisierten Banden“ vorlegen lassen. Neben den Printmedien und den üblichen verdächtigen Herren und Damen aus der Politik sind die Wiener Linien wohl die, die mit ihrer Falschinformation in ihren Durchsagen am meisten zur Hetze gegen BettlerInnen beitragen. (siehe Protestaktion der BettelLobbyWien zu den Durchsagen der Wiener Linien).

 Hier  ein kleiner Ausschnitt aus einem Gespräch mit Bandi und Iveta aus der Südslowakei (das Gespräch führte Marina Gschmeidler). Iveta und Bandi sind KusInen, damals waren sie beide knapp 19 Jahre alt und hatten bereits einige Erfahrungen als BettlerInnen in Wien gesammelt. Sie gehören zur Familie, die ich im Jahr 2006 im Rahmen der Recherche für den Film „Natasha“ über einen längeren Zeitraum begleitete. Zuerst lernte ich Bandis Vater Andras kennen, und dann, nach und nach, die ganze Familie, deren Mitglieder abwechselnd nach Wien fahren um hier Arbeit zu suchen oder zu betteln. Ich habe Andras, seine Frau Beata und seine sechs Kinder in ihrem Dorf  in der Südslowakei besucht (siehe: Interview mit Beata). Nach der Wende wurden die Fabriken geschlossen und viele der hier lebenden Menschen arbeitslos. Die Arbeitsmarktsituation hat sich seit damals nicht verbessert und den Leuten bleibt die Möglichkeit,  ins Ausland zu fahren um Arbeit zu suchen, oder, wenn das nicht gelingt,  mittels Betteln ein bisschen Geld  nach Hause zu bringen. Das ganze Interview gibt´s demnächst auf youtube. Ulli

Betteln ist ein Grundrecht

Februar 5, 2009
BettelLobby Wien
Auf der Armutskonferenz 2008 fanden sich einige Personen zu einer Arbeitsgruppe zum Thema Betteln zusammen, die seit Dezember 2008 als BettelLobby Wien auftritt.
Neben der Vernetzung von Menschen, die mit dem Thema befasst sind, setzt sich die Gruppe dafür ein, dass BettlerInnen in Wien nicht gedemütigt, kriminalisiert, vertrieben und bestraft werden, dass die Freiheit zu betteln gewährleistet ist. Zudem möchte die Gruppe mehr über die Lebenssituation von BettlerInnen erfahren. Derzeit sind zwei Diplomarbeiten zum Thema in Arbeit, die BettelLobby Wien fordert weitere engagierte ForscherInnen auf, sich dem Betteln zu widmen und bietet an, Material und Unterstützung zur Verfügung zu stellen.
Zudem ist die BettelLobby Wien auf der Suche nach DolmetscherInnen (derzeit vor allem für Rumänisch und Ungarisch), die BettlerInnen bei Kontakt zu Behörden behilflich sein können bzw. bei Beratungen dolmetschen. Die konkrete (rechtliche und sonstige) Unterstützung von BettlerInnen ist erst im Aufbau; Wissen, Ressourcen und MitarbeiterInnen sind willkommen, ebenso wie Beschwerden an die Wiener Linien über deren Betteldurchsagen.
Marion
 

Protestaktion gegen Durchsagen in den Wiener Linien

Februar 5, 2009

Die BettellobbyWien hat eine Protestmailaktion gegen die Durchsagen der Wiener Linien gestartet. Seit einigen Jahren werden Öffi-BenutzerInnen davor gewarnt, den „organisierten Bettlern“ Geld zu geben, und: Man solle lieber die anerkannten Hilforganisationen unterstützen… Dies ist zynisch, da es in Wien keine Organisation gibt, die BettlerInnen direkt unterstützt, und  woher die Wiener Linien ihre Informationen über die „organisierten Banden“ haben, wäre auch interessant, denn bislang hat nicht mal die Wiener Polizei Nachweise für die „Bettelbanden“. Der Effekt dieser Durchsagen: BettlerInnen werden weiterhin kriminalisiert, gedemütigt und vertrieben. Ein Armutszeugnis für das sozialdemokratische Wien und für unsere Gesellschaft, in der es eine alte Tradition hat, dass solche Verhetzkampagnen ungestraft und unkritisiert betrieben werden können.

Die Durchsage der Wiener Linien lautet : „Viele Fahrgäste fühlen sich durch organisiertes Betteln in der U-Bahn belästigt. Wir bitten Sie, dieser Entwicklung nicht durch aktive Unterstützung Vorschub zu leisten, sondern besser, durch Spenden an anerkannte Hilfsorganisationen zu helfen. Sie tragen dadurch zur Durchsetzung des Verbots von Betteln und Hausieren bei den Wiener Linien bei.“

Wer sich unserer Kampagne anschließen möchte, sei aufgefordert, Kopien oder selbst verfassete Mails an die Wiener Linien schicken.

kundendienst@wienerlinien.at

Ein paar unserer Protestmails:

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