Mit ‘Betteln’ getaggte Artikel

Hochburg der „Bettelmafia“?

März 6, 2013

gumpendorferstraßeEs gibt viele solcher Häuser in Wien: abbröckelnder Putz, feuchte Mauern, Sperrmüll im Innenhof. Warum ein Haus in der Wiener Gumpendorferstraße von 200 Polizei- und MagistratsbeamtInnen gestürmt wurde, hat wohl andere Ursachen: Hier wohnen auch ZeitungsverkäuferInnen und Flüchtlinge. Weil einige der BewohnerInnen auch schon mal bettelten und noch dazu aus Rumänien stammen, wurden sie von BehördensprecherInnen in den Medien als „Bettelbanden“ diffamiert. (Die rumänische Übersetzung finden Sie hier.)

Ein Lokalaugenschein der BettelLobbyWien. 

Foto: Von Behörden und Medien als „Bettelmafia“ diffamiert: BewohnerInnen eines Hauses im 6. Bezirk, die vor Hunger und Kälte nach Wien geflüchtet sind.

Schon vor Weihnachten bezeichnete die Krone das Haus in der Gumpendorferstraße als „Hochburg der Bettelmafia“ und provozierte damit ausufernde rassistische Postings. Aber auch ÖVP Sicherheitssprecher Wolfgang Ulm wurde dadurch auf den Plan gerufen: „Die Behörden müssen endlich handeln!“ forderte er unisono mit der Kronenzeitung. (weiterlesen…)

Kritische Literaturtage: Buchpräsentation “Betteln in Wien. Fakten und Analysen aus unterschiedlichen Wissenschaftsdisziplinen”

Oktober 18, 2012

Buchpräsentation am 26.10. um 13:30 im Cafe Club International am Yppenplatz 14 in Ottakring

Das Buch ist ein Sammelband mit Beiträgen von 10 AutorInnen, die das Thema aus sehr unterschiedlichen Blickwinkeln untersucht haben.
Mit dabei sind Marion Thuswald (Bildungswissenschaftlerin), Ronald Frühwirth (Jurist) und Ferdinand Koller (Herausgeber).
Das Buch kann zum Autorenpreis von 12 Euro bei der Präsentation erworben werden – oder bestellt werden:  ferdinandkoller(at)hotmail.com

Podiumsdiskussion “Wien verbindet – Wien organisiert. Warum nicht auch die BettlerInnen?”

September 21, 2012

im Rahmen der “Messe für Arbeit und Arbeitslosigkeit” (in Kooperation mit BDFA – Bunte Demokratie für Alle)

mit Ronald Frühwirth (Jurist), Ulli Gladik (Filmemacherin, Bettellobby Wien), Nikolaus Dimmel (Sozialwissenschaftler, angefragt), Stephan Olah (Maurer, Bettler), Birgit Hebein (Die Grünen Wien) und anderen Vertreter_innen der Wiener Stadtregierung

Termin/Ort:

28.09.2012 – 18:00     Bildungszentrum der AK Wien,1040, Theresianumgasse 14–16

Um das europäische Modell einer nachhaltigen urbanen Entwicklung im Alltag zu realisieren, müssen Diversität und Pluralismus unterstützt werden. Doch selbst in einer hervorragend organisierten Stadt wie Wien konstruieren politische Verantwortliche seltsame Kausalitäten: Demnach gefährde die individuelle Großzügigkeit gegenüber Armen und BettlerInnen die Sauberkeit und Sicherheit der Stadt.

Gesetze werden bis in ihre letzten Winkel durchforstet, um die Bettelei zu kriminalisieren und ihre Verbannung aus dem Stadtbild zu rechtfertigen. Die IG Regierungskunst sagt: Au contraire! Und schenkt der Stadtregierung Impulse, die der Vielfalt und dem solidarischen Zusammenleben aller BewohnerInnen zu Gute kommen. Mit einer öffentlichen ExpertInnen-Runde zum Thema gestaltet die IG Regierungskunst einen Diskussionsabend, der nicht ohne Folgen bleiben soll.

Wie ein Zeitungsverkäufer zu einem “aufdringlichen” Bettler wurde…

Mai 17, 2012

Aktion für einen Straßenzeitungsverkäufer

Als ihm der Straßenzeitungsverkäufer L., mit dem er seit Jahren eine Art Freundschaft-des-gegenseitig-netten-Zunickens pflegte, die Strafverfügung zeigte, welche ihm Beamte des Kommissariats Josefstadt eigenhändig zugestellt haben, verstand Herr K. die Polizei nicht mehr. Da stand doch tatsächlich, Herr L. hätte vorm Billa in der Alserstraße 23 in aufdringlicher Weise um Geld gebettelt, sich den vorbeikommenden Passanten mit ausgestreckter Hand in den Weg gestellt, ihnen die Zeitung vors Gesicht gehalten, den Fußgängerverkehr behindert und „durch ein besonders rücksichtsloses Verhalten die öffentliche Ordnung an einem öffentlichen Orte ungerechtfertigt gestört“. In Summe drei Rechtsbrüche zu je 100 Euro Geldstrafe oder je 50 Stunden Ersatzfreiheitsstrafe, also in Summe: 300 Euro oder 6 Tage Gefängnis. (weiterlesen…)

Vertreibung und Diffamierung von Armutsbetroffenen im “heiligen” Land Tirol

April 22, 2012

“Nach jahrhundertelanger Vertreibungspolitik ist es nun an der Zeit, auch der Volksgruppe der Sinti und Roma Gastfreundschaft gegenüber zu üben und für ein friedliches Miteinander einzustehen.” fordert der Verein Ketani. Der Verein setzte seine Forderungen auch um, er schuf Plätze für Durchreisende in Oberösterreich und berät Kommunen, solche zu errichten. (Foto: Verein Ketani) Zu hoffen bleibt, dass Ketani auch bald dem Land Tirol bzgl. Gastfreundschaft helfen wird. Denn dort dürfen armutsbetroffene Familien bislang nicht mal unter der Autobahnbrücke übernachten. Trotz Proteste und Visionen  wurden den Familien am Donnerstag “Entfernungsbescheide” überreicht. “Es hat intensive Gespräche mit einer Dolmetscherin gegeben”, schreibt die Tirolerwoche, was die Menschen der Dolmetscherin erzählt hatten, darüber darf aber der Terfenser Bürgermeister mutmaßen: (weiterlesen…)

Wien aus Sicht der Kolporteure

Februar 22, 2012

 MO ist eine von mehreren Straßenzeitungen in Wien, durch deren Verkauf sich sozial benachteiligte Menschen einen kleinen Zuverdienst ermöglichen. Wir begleiteten sie auf ihrer Tour. Reportage: Eva Bachinger. Fotos: Karin Wasner, erschienen im MO #25

Das Lokal „Kantine“ im Wiener Museumsquartier ist zur Mittagszeit gerammelt voll. Ein Rom macht mit einer Straßenzeitung, die nicht mehr ganz taufrisch aussieht, die Runde. Er ist nicht erfolgreich: mitleidiges Kopfschütteln, ein Nein da, ein Nein dort oder schlichtes Ignorieren. Doch der junge Mann bleibt hartnäckig: Er hält die Hand hin und sagt „Einen Euro, bitte.“ Vergebens. Dann erzählt er mit traurigem Gesichtsausdruck von seinen Kindern, die zuhause in Rumänien nichts zu essen hätten.  Weiterlesen…

Bachelorarbeit lässt bettelnde Menschen zu Wort kommen:

Februar 20, 2012

Bettelnde Menschen in Wien – eine sozialarbeiterische Grundlagenforschung

In welchen Lebenssituationen befinden sich bettelnde Menschen in Wien? Welche Bedürfnisse und Problemlagen haben diese und welche Anforderungen lassen sich dadurch an die soziale Arbeit ableiten? Das Phänomen Betteln in Wien ist aktuell oft Gegenstand der medialen Berichterstattung, und im Zuge der Novellierung des Wiener Landessicherheitsgesetzes auch im Fokus des politischen Diskurses. Zeitgleich gibt es kaum wissenschaftliche Forschung zum Thema Betteln in Wien. Die mediale und politische Debatte läuft demnach Gefahr,  ihre  Argumentationen nicht auf wissenschaftlich fundierte Daten zu stützen. Auffallend ist, dass sowohl auf medialer, als auch auf rechtlicher und wissenschaftlicher Ebene die Meinungen der betroffenen BettlerInnen selbst kaum Gehör finden. Daher wird in vorliegender Arbeit  als primäre Erhebungsmethode ein qualitatives,  offenes Interview gewählt, das ausschließlich mit BettlerInnen geführt wird, um diese als ExpertInnen ihrer Situation zu Wort kommen zu lassen. (weiterlesen…)

Der Josefstädter Kampf gegen die «organisierte Kriminalität»: Die Klappstockerlmafia

Dezember 5, 2011

Was die FPÖ kann, können wir auch, denkt sich die ÖVP in der Josefstadt, und fischt im rechten Lager fleißig nach Stimmen – auch auf dem Rücken eines rumänischen Straßenzeitungsverkäufers. (Text: Werner Hörtner, aus dem Augustin 310)

Herr Constantin Butrea ist einer jener Menschen, bei dem man schon auf den ersten Blick den Eindruck hat, er könne keiner Fliege etwas zuleide tun. Friedlich und freundlich lächelnd sitzt er oder steht er vor einem Billa-Geschäft in der Florianigasse im 8. Gemeindebezirk und verkauft Straßenzeitungen. Sitzt er oder steht er: das ist die Frage, das ist der Stein des Anstoßes, darin liegt der Grund, weshalb sich der seit Jahren legal in Wien lebende Rumäne einer regelrechten Verfolgung durch einzelne Polizeiorgane der Josefstadt ausgesetzt sieht.

«Herr Constantin Butrea leidet an einer schmerzhaften entzündlichen Erkrankung im Magenbereich, ist mittellos, steht in ärztlicher Behandlung im Krankenhaus der Barmherzigen Brüder in Wien und hat die Genehmigung, als Straßenzeitungsverkäufer zu arbeiten. (weiterlesen…)

Antiziganismus – von Politiker_innen benutzt, von Medien verbreitet

November 3, 2011
Ausgrenzung von Arbeitsmarkt und Bildung, Vertreibung, Verfolgung, aber auch gewalttätige Ausschreitungen und tödliche Gewalt – die Bandbreite antiziganistischer Praktiken ist groß und hat fatale Auswirkung auf das Leben von als «Zigeuner» wahrgenommenen Menschen. Was den Boden für Antiziganismus bereitet, welche Funktionen er erfüllt und was man dagegen machen kann, darüber sprach Ulli Gladik mit dem Politologen Markus End, Doktorand am Zentrum für Antisemitismusforschung in Berlin.
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Nur in zwei Fällen ermittelt, trotzdem spricht Polizeioberst immer wieder von “Bettelmafia”.

Oktober 4, 2011

“Bettelei ist eine dramatische Form des Menschenhandels und der Ausbeutung” erzählt Oberst Gerald Tatzgern vom Bundeskriminalamt gerne den Medien: verschwindend gering sei jener Teil von Bettlern, die tatsächlich für sich selbst auf der Straße sitzen… (News Sept. 2010, Kleine Zeitung 2011)

„Das lässt sich durch konkrete Erhebungsergebnisse so nicht beweisen und als Polizist kann ich Ihnen jetzt keine Vermutungen erzählen, sondern nur das, was sich beweisen lässt.“ sagte sein Kollege Peter Goldgruber von der Bundespolizeidirektion Wien im Dezember 2009 zur Frage nach den mafiösen Bettelbanden in Ö1.

Hat die österreichische Polizei zwischen 2009 und 2011 also so fleißig ermittelt, dass es jetzt  Beweise gibt, dass fast alle BettlerInnen zum Betteln gezwungen werden? (weiterlesen…)


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